Unser Kinderwald

Die Kinderwaldschule Wohra stellt sich vor:


Die Natur und besonders der Wald ist unser Zufluchtsort, an dem wir Frieden finden können, Abenteuer erleben, aus uns rausgehen oder ruhig werden können, neue Fertigkeiten erlernen, Freunde finden. Resilienz ist in aller Munde, hier entwickeln wir sie.

An der Grundschule Wohra haben alle Kinder die Möglichkeit zeitweise in wechselnden Gruppen freitags den Kinderwald zu besuchen. Dies ist fester Bestandteil des Konzepts. Die Jahrgangsmischung von 1. bis 4. Klasse aus allen Lerngruppen ermöglicht uns dabei vielfältiges Lernen: Die Kinder erwerben „Waldwissen“, indem ihren Fragen nachgegangen wird, alle Entdeckungen, Mitteilungen und Fundstücke gewürdigt werden. In der Natur ist Raum und Zeit dafür! Sie erleben den Wechsel der Jahreszeiten hautnah, die Vergänglichkeit und ebenso das Entstehen neuen Lebens. In einer immer schnelllebigeren, oft unüberschaubaren Welt gibt uns die Natur mit ihren wiederkehrenden Abläufen Sicherheit.
Die Waldzeit an einem Vormittag ist ebenso ritualisiert, wie die Feste im Jahreskreis. In diesem vorgegebenen Rahmen können sich die Kinder ausleben. Im Mittelpunkt steht die sog. Waldfreizeit, die von den Treffen am Versammlungsplatz zu Beginn und am Ende eingerahmt wird. Wir starten mit dem gemeinsamen Frühstück und dem „Lauschen der
Waldmusik“, bei dem wir die Geräusche in der Natur bewusst wahrnehmen und zur Ruhe kommen, singen unser

„Hört, hört, Waldkinder, welch ein Glück. DerWald, der Wald, macht heut Musik!“

und begleiten dies rhythmisch mit Klanghölzern. Nach einem weiteren jahreszeitlich oder thematisch passenden
Lied haben die Kinder Zeit für eigene Projekte. Zum Abschluss der Waldzeit steht das Vorstellen von gefundenen Schätzen und das Berichten des Erlebten im Mittelpunkt.
Soziales Lernen findet im gemeinsamen Tun statt. Vieles kann hier nicht allein geschafft werden, Andere müssen mit anpacken. Konflikte zeigen sich durch die vielfältigen Bewegungsmöglichkeiten weniger als im Schulhaus. Häufig
erleben wir die Kinder in einer neuen Rolle. Die Gruppe findet neu zusammen und kehrt gestärkt durch gemeinsam bestandene Abenteuer zurück ins Tal.
Beim Hüttenbauen, Schnitzen, Trösten oder Spiele erfinden, erfahren die Kinder unmittelbar Selbstwirksamkeit. Gerade Kinder, die sich im Unterricht als schwach oder langsamer erleben, glänzen hier als Experten.
Dabei lässt sie das von den Erwachsenen entgegengebrachte Vertrauen wachsen, denn wir trauen den Kindern Vieles zu!
So lernen alle Kinder bald Verantwortung für sich, Andere und „ihren“ Wald zu übernehmen, indem sie achtsam spielen. Sie lernen Regeln einzuhalten, weil sie nicht vom Erwachsenen kommen, sondern die logische Folge der Anforderungen des Waldes an uns sind. Die Notwendigkeit von Regeln und auch Hilfe anbieten und annehmen zu können sind, so weit weg vom sicheren Schulhaus, direkt erfahrbar. 
Heterogenität ist im Wald ausdrücklich nicht erwähnenswert! Jedes Waldkind wird mit seinen Fähigkeiten und besonderen Bedürfnissen geschätzt und bringt sich in die Gruppe ein.
Hier findet Lernen ohne Leistungsdruck, lustbetont und nachhaltig statt: „Im Wald kann ich frei sein!“ höre ich öfter von den Kindern, wenn sie über ihren Kinderwald befragt werden. Was im Wald erlebt wurde, ist oft noch Jahre später immer mal wieder Thema, da es mit allen Sinnen und ohne Zeitnot erlebt wurde. Neele mit seligem Lächeln, nachdem sich mich nach der Uhrzeit gefragt hatte: „So kurz sind wirerst hier? Im Wald fühlt sich das immer so lang an. Das ist schön!“


Sprachförderung findet in besonderem Maße durch die sich natürlich ergebenden Sprechanlässe statt. Begeisterung bei Entdeckungen und gemeinsames Staunen lassen auch eher stille Kinder vermehrt sprechen. Bauaktionen, bei denen viel diskutiert und abgesprochen werden muss und Rollenspiele, die häufig von Woche zu Woche weitergeführt werden, lassen Wortschatz, Grammatik und Sprechfreude wachsen. „Natürliche“ Schreibanlässe für den Unterricht ergeben sich durch die Erlebnisse im Wald und einige Kinder entwickeln durch die Bestimmungsbücher ein echtes Interesse am Lesen: Z. B. sind im Herbst immer Kinder mit dem offenen Buch in der Hand auf Pilzsuche, Gefundenes wie Federn oder andere Tierspuren werden im Buch gefunden und Informatives nachgelesen.
Beim Berichten von ihren Erlebnissen während der sog. „Waldfreizeit“ oder dem Entdecken von Tieren oder Waldwesen in natürlichen Formen, lernen die Kinder das Erzählen, halten Reihenfolgen ein, bauen einen Spannungsbogen auf und entwickeln Fantasie. Bsp. aus dem Abschlusskreis: „Die Königin des Waldes, Weißreh, Blutbeere und Blauhaar gründen ein neues Königreich. Da haben alle Spaß dran und helfen sich. Später kam noch eine Waldmeisterin dazu.“
Die Kinder lernen die Natur als Erholungsraum kennen, eine Stärke fürs Leben, wenn sie später eine Auszeit brauchen. Sie fühlen sich mit dem Wald verbunden, ein erster Schritt, um später auch Verantwortung für die Natur zu übernehmen. Neben den eigenen Erlebnissen in „unserem“ Wald müssen wir uns auch mit der Natur im Widerstreit zwischen Eigenwert und Nutzungsinteressen des Menschen befassen, mit Gefahren durch Klimawandel, finanzielle Interessen, gesundheitliche Gefahren usw. Unser Wissen über die Natur, Ökosysteme und das Auslöschen ganzer Arten ist so weitreichend wie nie zuvor, aber anwenden werden es vermutlich nur diejenigen, die in der Kindheit eigene Erlebnisse in der Natur machen durften. Lernen im Wald ist vor allem Nachhaltiges Lernen durch eigenes Erleben inkl. der „Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE)“, die als weltweite Bildungskampagne der Vereinten Nationen zu zukunftsfähigem Denken und Handeln befähigen soll.

An der Grundschule Wohra bildet Cordula Letmade mit viel Herz, Freude und Engagement das Herzstück unseres Kinderwaldes. Mit großer Leidenschaft begleitet sie die Kinder beim Lernen und Entdecken in der Natur und schafft einen besonderen Ort, an dem Gemeinschaft, Bewegung, Kreativität und Naturerfahrungen miteinander verbunden werden. Unterstützt wird sie dabei regelmäßig von Ben Bender, dem Gründer unserer Waldschule. Vor mehr als 20 Jahren entwickelte Jürgen „Ben“ Bender mit viel Begeisterung und pädagogischem Gespür das Konzept der Kinderwaldschule und prägte sie über viele Jahre hinweg nachhaltig. Dank seines großen Einsatzes steht der Kinderwald heute sogar unter Naturschutz. Bis heute bringt Ben Bender seine Erfahrungen, sein Fachwissen und seine tiefe Verbundenheit zur Natur in die Arbeit der Kinderwaldschule ein – oft begleitet von Mundharmonika und Trommel, Geschichten, Liedern und einem besonderen Verständnis für die Kinderseele. Gemeinsam ermöglichen Cordula Letmade und Ben Bender den Kindern wertvolle Erfahrungen in und mit der Natur und schaffen einen Ort, an dem Kinder wachsen, entdecken und einfach Kind sein dürfen.

 

Ich ging in den Wald und kam größer als die Bäume heraus. (Henry David Thoreau)

 

  • Waldzeit haben die Kinder der Grundschule Wohra epochal im sog. FLOW freitags von 10 bis 13 Uhr.
  • Außerdem besuchen die beiden Flexgruppen zu Schuljahresbeginn für eine Woche vormittags die Kinderwaldschule.
  • Alle vier Lerngruppen verbringen vierteljährlich mit ihren Klassenlehrerinnen und Klassenlehrern einen Vormittag draußen.
  • Zur Waldweihnacht sind alle Kinder, Erwachsenen, Familien und Freunde am Dienstag vor den Weihnachtsferien in den Winterwald eingeladen.
  • Die beiden „großen“ Lerngruppen verbringen nach den Osterferien zwei Tage im Kinderwald, kochen, spielen und schlafen unter der großen Buche im Freien.
  • Ebenfalls im Mai finden unsere beiden Waldtage für die Vorschulkinder statt. Gemeinsam mit den Erzieherinnen und Erziehern und einigen Erwachsenen aus der Grundschule gestalten unsere Erstklässler die Kennenlernzeit für die Neuen.
  • Kurz vor den Sommerferien feiern manche Lerngruppen ihr Abschlussfest in unserem „größten Klassenzimmer“. Das sind immer unsere entspanntesten und oft auch fröhlichsten Feste.

 

 

 

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